Weg: Rundgang Museen / Das Walachisches Dorf


Das Walachisches Dorf

Das Walachische Dorf ist die größte der Museumsanlagen. Die Bauernhöfe, die Windmühle, die Schmiede, die Brunnen, der Glockenturm und die Gartenanlagen liegen auf einem Gelände, das mit seiner Gliederung, seinen Wegen und Baumgruppierungen an viele Dörfer in der Walachei erinnert. Mit ihrem Bau wurde 1962 begonnen. Das Ziel war, die Idee der Rettung der traditionellen gezimmerten Häuser, landwirtschaftlichen Gebäude und Spezialbauten umzusetzen, die in ihrer ursprünglichen Umgebung gefährdet waren. Im Museum wurden diese Objekte mit weiteren Komponenten ergänzt, mit dem Ziel, auf der Grundlage von wissenschaftlichen Feststellungen, ihre ursprüngliche historische Umgebung wieder herzustellen. Man hatte sie zuerst im mährischen Teil des Karpatenbogens – der Mährischen Walachei – gesucht, wo im Laufe vieler Generationen eine eigene Kultur mit Kultureinflüssen anderer Länder in den Karpaten entstand. Zu sehen gibt es hier die traditionelle Viehhaltung der walachischen Schaf-, Rind- und Geflügelrassen, den Anbau regionaler Obstarten und Felder mit alten Nutzpflanzen. Bei der Besichtigung des gesamten Areals können sich die Besucher wenigstens für einen kurzen Moment in die alte Zeit versetzen lassen, in der die Menschen zwar nicht einfach, aber im Einklang mit der Natur lebten und Respekt vor den Gesetzen der Natur hatten, von der sie sich das ganze Jahr über ernährten.

Die Region Mährische Walachei erstreckt sich entlang der östlichen Landesgrenze und zeichnet sich durch die einmalige, aus den Naturgegebenheiten, der Ansiedlungsgeschichte, der Kleinviehweidenhaltung, der Bewirtschaftung des wenig fruchtbaren Boden und der Nutzung des Waldreichtums entspringende Volkskultur aus. Ebenfalls die Mundart der hiesigen Einwohner unterscheidet sich bis heute erheblich von der Schriftsprache, bzw. der Mundarten der benachbarten Gebiete.

Ein charakteristisches Merkmal der Landwirtschaft in der Walachei war die Weidennutzung zur Saisonhaltung vom Kleinvieh (Schafen und Ziegen) – die sog. Almwirtschaft. Diese Viehhaltung brachten Kleinviehhirten mit, die ab dem 15. Jahrhundert aus dem Gebiet der heutigen Slowakei und des heutigen Polens in die Beskiden und das Javorník-Gebirge kamen. Sie besiedelten höher gelegene, ursprünglich bewaldete Flächen und ihre Wanderung, die sog. walachische Kolonisierung, endete hier. Auf ihren neuen Plätzen verwuchsen sie allmählich mit der einheimischen Bevölkerung, die sich bereits ab dem 13. Jahrhundert in den tiefer liegenden Flussgebieten angesiedelt hatte. Diese Einwohner – Hirten – betrieben Schafs- und Ziegenzucht im Rahmen der Almwirtschaft: vom Frühling bis zum Spätherbst weideten sie die Tiere auf abgeholzten Waldlichtungen, lebten auf der Alm in sog. Almhütten, verarbeiteten Schafsmilch zu Käse und anderen Produkten. Hirten, die sich in den oben genannten Gebieten ansiedelten nannte man Walachen – daher rührt auch der Name der gesamten Region – Walachei.

Ihre größte Blüte erlebte die Almwirtschaft im 17. und 18. Jahrhundert. Damals gab es in jedem Bergort bis zu mehreren Hundert Schafe und etwa zehn Almbetriebe. Mit der Einführung der geregelten Waldwirtschaft in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der Konkurrenzprodukte wie hochwertige Wolle aus dem Ausland und dem neuen Material – der Baumwolle, begann der Niedergang dieser Wirtschaftsart.

Das Walachische Dorf zeigt drei Typen der Almwirtschaft.

Als Beispiel für den ersten Typ dient die Almhütte von Černá hora bei Radhošť. Früher gab es in der Umgebung von Radhošť 16 große Almbetriebe und jeder von ihnen hütete 400 Schafe.

Die Almhütte diente ihrem Zweck noch in den 50. Jahren des vergangenen Jahrhunderts und dient auch heute noch zur Vorführung der Schafskäseproduktion.

Die anderen beiden Typen sind durch das sog. „Stánisko" von Karolinka - Rákošové und die Almhütte auf „Fassleitern" vertreten. Das „Stánisko" war eine saisonbedingte wirtschaftliche Gemeinschaft von vier, früher verwandten Familien. Sie kümmerten sich um Schafe und Kühe und bewirtschafteten ein kleines Stück Bergland. Die Almhütte auf „Fassleitern" (Kufen) stammt aus der Südwalachei, der Ortschaft Nedašov unter den Weißen Karpaten. Sie wurde auch im Verlauf des Sommers von einem Ort zum anderen transportiert, je nach dem, wo das Schafsgehege stand. In der gesamten Südwalachei entwickelte sich eine enge Symbiose zwischen der Almwirtschaft und der Berglandwirtschaft. Durch das Versetzen der Gehege wurden die Felder und Wiesen in den höchstgelegenen Gebieten über den Ortschaften gedüngt.

Das walachische Dorf war von Anfang an im sozialen Bereich differenziert. Auch die Exponate im Museumsgelände „Walachisches Dorf" zeigen die soziale Zusammensetzung der Einwohner eines walachischen Dorfes vom Ende des 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

Der reichste Bauer war damals der Vogt – Erbscholz, der die Obrigkeit vertrat. (Die Vogtei stand meistens am unteren Dorfende, wo der Boden die beste Qualität hatte). Als Beispiel für ein Haus eines Mittelbergbauers auf dem Herrengut von Rožnov in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, dient der Weidenhof von Velké Karlovice – Miloňov. Als modernes Bauelement gilt die seitlich angeordnete Wohnkammer neben der Stube, die als Austrag diente sowie der steinerne Schornstein, der auf den Meseritscher Herrengütern nach der Verkündung des sog. "Feuerpatentes" durch Josef II. im Jahr 1786 bei jedem Neubau, auch in den Bergen, konsequent verlangt wurde.

Als Beispiel für die Behausung der ärmsten Gesellschaftsschicht auf dem walachischen Land steht die Hütte mit der Haus-Nr. 70 von Leskovec bei Vsetín. Das Haus eines "Landlosen" verkörpert die wohl im gesamten Raum der Westkarpaten verbreitete Hüttenart. Der zweigeteilte Grundriss mit kleiner Stube und Diele bot nur 5,5 m2 Wohnfläche, denn ein Drittel des Raums nahm der Ofen ein. Solche Hütten wurden am Ortsrand gebaut, auf weniger wertvollem Boden.

Im Rahmen des Förderprojekts „ Freilichtmuseum und Volkskultur als neue Präsentationsformen des Kulturerbes" werden im Areal „Walachisches Dorf" einige Objekte umgesetzt und einige Volksarchitekturobjekte neu gebaut.

Das von Nový Hrozenkov hierher versetzte Haus Nr. 60 bildet mit der sog. „Hrozenkov- Terrasse" den Abschluss eines Teilkomplexes des „Walachischen Dorfes". Das in die dörflichen Bebauung integrierte Objekt zeigt die sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen auf dem Land zwischen den einzelnen Bauernhöfen und verwandtschaftlich und wirtschaftlich verbundenen Gemeinschaften. Das Haus und seine Einrichtung stellen die Wohnkultur eines Mittelbauern dar, der zusätzlich ein Gewerbe betrieb (vor allem Tuchherstellung u. a.). Das Originalgebäude, das aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt und eine der ältesten Bauformen in Nový Hrozenkov darstellt, wurde vor dem Verfall gerettet und in den 70. Jahren des 20. Jahrhunderts in das Museum gebracht.

Der Fuhrmannshof von Velké Karlovice – Jezerné war ursprünglich Bestandteil einer sog. „kula" – d. h. Ansammlung von Anwesen verwandtschaftlich verbundener Familien. Zum ursprünglichen Fuhrmannshof gehörten ein Wohngebäude, ein Stall und eine Scheune. Im Museum wurde das Gebäude zunächst auf einen provisorischen Ort gestellt. Nach Umzug eines weiteren Anwesens aus der ursprünglichen Ansammlung von Familiengebäuden – der Matocha Hütte – in das Walachische Museum, empfahl der Wissenschaftsrat die Versetzung des Fuhrmannshofs in die Nähe der Matocha Hütte. Dadurch ließe sich die geschichtlich belegte wirtschaftliche und soziale Verbundenheit beider Anwesen demonstrieren.

Das Objekt ist ein Beispiel für das Gehöft eines Hirten, der nebenbei einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit nachging – dem „Fuhrmannsgewerbe". Die Walachischen Fuhrmänner lieferten Webereierzeugnisse, Holz, Schindel und verschiedene Landwirtschaftsprodukte (Schafskäse, Zwetschkenmus) bis nach Budapest, Brünn, Wien und brachten aus anderen Ländern vor allem Salz, das für die Schafszucht sehr wichtig war.

Auf dem Museumsgelände „Walachisches Dorf" steht eine evangelische Toleranzkirche. Es handelt sich um einen wissenschaftlichen Nachbau eines gezimmerten Gebäudes, das auf der rechtlichen Grundlage des Toleranzpatents (1781) gebaut wurde. Das Toleranzpatent ermöglichte in den böhmischen Ländern das Praktizieren nichtkatholischen Glaubens. Die einfache Hallenkonstruktion mit Walmdach, das Fehlen eines Glockenturms, die amateurhaft hergestellte Einrichtung, die Verwendung von günstigen Baustoffen und schließlich auch der Standort der Kirche am Ortsrand repräsentieren eine sakrale Architektur, die damals nur mit vielen Einschränkungen und Verboten realisiert werden konnte. Die Kirche, die in Huslenky ab 1786 als Gebetshaus genutzt wurde, musste wegen ihres schlechten technischen Zustands bereits Ende des 19. Jahrhunderts abgerissen werden. Heute belegt ihr Nachbau die Bereicherung des religiösen Lebens der in der Walachei über Jahrhunderte gebeutelten, stark vertretenen evangelischen Kirchengemeinden.

Die Dorfschule von Velké Karlovice – Miloňov – repräsentiert ein öffentliches Gebäude, dessen Gestalt nicht nur durch die traditionelle Volksbauweise, sondern auch durch die neuere Bauartart im Bereich der öffentlichen Gebäude beeinflusst wurde, die die Genehmigung der Projektdokumentation durch zuständige Ämter voraussetzte. Auf dem Dach befindet sich ein kleiner Glockenturm zum Einläuten – morgens, mittags, abends und bei außergewöhnlichen Ereignissen. Mit der Einklassen-Dorfschule wird das Angebot an themenbezogenen Bauten des Walachischen Dorfes um ein öffentliches Gebäude erweitert, das den Besuchern auch die soziale Stellung der damaligen Lehrer näher bringt. Der Unterrichtsraum dient als klassischer Museumsraum, in dem im Rahmen spezieller Unterrichtslektionen die Realität des Schulunterrichts Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts demonstriert wird.

Das gezimmerte Originalgebäude aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts blieb nicht erhalten. Das Gebäude ist ein wissenschaftlicher Nachbau einer Dorfschule aus dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts auf der Grundlage erhaltener Projektdokumentation.

Bei dem Gebäudekomplex, bestehend aus Gemeindewirtshaus, Laden mit Schlachthaus und Eisraum, handelt es sich um einen wissenschaftlichen Nachbau einer atypischen ländlichen Wirtschaftseinheit – eines Wirtshauses mit Ladenbetrieb und Schlachthaus. Das aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammende gezimmerte Gebäude von Zděchov wurde dem vom Eigentümer betriebenen Gastswirtschaftsgewerbe angepasst. Das Wirtshaus wurde später um einen Kaufladen erweitert. Die Anordnung der Objekte unterscheidet sich von den anderen dörflichen Bauten. Sie spiegelt vor allem die spezifischen Bedürfnisse ihrer Eigentümer – größere wirtschaftlich nutzbare Flächen (Scheune und Ställe) und im Gegensatz zu den anderen Dorfbewohner kleinere Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung - wider. Zum beschriebenen Gebäudekomplex gehört auch ein steingemauerter Eisraum mit rechteckigem Grundriss.

Die Ausstellungsexponate in den Innenräumen zeigen das Leben der Bewohner der Walachei vom Ende des 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts – der Landlosen, der Klein- und Mittelbauern sowie der reichen Bauern. Sie finden hier Beispiele der Eigenproduktion, z. B. von Tuchwaren, Flickenteppichen oder Seilen, der Verarbeitung von Schafswolle und Leinen sowie von Handwerksberufen - z. B. Schmiedehandwerk, Wagnerhandwerk.

Zu den Wohngebäuden gehören wirtschaftliche Bauten – Scheunen, Ställe – sowie spezielle Objekte, wie z. B. Windmühlen, Glockentürme, Brunnen, Kammern, Keller oder Obstdarren.

Das Walachische Freilichtmuseum erfüllt das Vermächtnis seiner Gründer – der Gebrüder Jaroněk, die ein „lebendes Museum" schaffen wollten – ein Museum, das von Arbeit, volkstümlichen Bräuchen und Festen lebt.

Auch im Walachischen Dorf wird im Rahmen des sog. Walachischen Jahres alljährlich eine Reihe von Programmen angeboten – zum Thema Handwerk, Bräuche, alte Technologien oder thematische Programme für Schulen.



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