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Entstehung und Entwicklung

des Walachischen Freilichtmusems in Rožnov pod Radhoštěm

Auf den Gedanken eines Freilichtmuseums kam kein Bürger von Rožnov und auch kein Kurgast. Er entstand in den Köpfen der Gebrüder Jaroněk, insbesondere des älteren von ihnen, Bohumír. Dieser stammte aus Malenovice bei Zlín aus einer ärmlichen Familie, die sich zur Gänze durch Interesse am Kunstgewerbe auszeichnete. Bohumír studierte an der Realschule in Nový Jičín, und gerade dort, bei Ausflügen in das Nachbarständchen Štramberk, beeindruckten ihn die walachischen gezimmerten Häuser. Dann reiste er durch die Welt als Porzellanbemaler, Photograph, Maler und Graphiker. In seinem Tagebuch finden wir die Städte Kairo, Dubrovník, Budapes, München u. a. wichtig war, dass er im Jahre 1895 die Tschechoslawische Ethnographische Ausstellung in Prag besuchte, deren attraktivster und bemerkenswertester Teil das „Ausstelungsdorf" und darin gerade die walachische Siedlung, eine Gruppe von Bauernarchitekturen aus der Walachei nach dem Projekt des Architekten Dušan Jurkovič, war. Dort stand auch das renommierte Gasthaus „Na posledním groši", wo die Pelár-Kapelle aus der Walachei aufspielte. Bohumír fehlte auch nicht auf der Millenialausstellung in Budapest, wo ebenfalls eine Garnitur von volkstümlichen Gebäuden aus dem ganzen damaligen Ungarn ausgestellt war.

Im Jahre 1909 lassen sich die beiden Brüder für immer in Rožnov nieder. Schon damals reifte in ihnen der vom Bemühen nach Erhaltung der Bürgerhäser auf dem Stadtplatz in Rožnov inspirirte Gedanke eines Freilichtmuseums heran. Alles wurde durch die Reise Alois Jaroněks, des zweiten Bruders, in die skandinavischen Länder richtungweisend beeinflusst. Er besuchte das neu entstehender Museum in der Stadt Aarhus in Dänemark, verweilte auch im Bygdy von Oslo und lernte auch das erste und größte Freilichtmuseum in der Welt – den Skansen bei Stockholm kennen.

Im Jahre 1913 tauchte das erste Projekt für das Museum auf, es wurden sogar auch irgendwelche Geldmittel gewonnen, im Jahre 1911 war ein Museumsverein gegründet worden, aber alles wurde durch den Krieg vereitelt.

Zum Bau des Freilichtmuseums kam es erst einige Jahre nach dem Kreig. Die beiden Jaroněks und der Museumsverein benützte prompt die günstige Atmosphäre der Vorbereitung auf das erste Folklorefestival in der Walachei im Jahre 1925 mit dem Titel Walachisches Jahr. Sie setzten es durch, daß diese Festlichkeiten bereits im Areal des neuentstandenen Freilichtmuseums stattfinden. Und so standen zur Zeit des Festes auf einer Lichtung des Kurparkes bereits zwei große Häuser vom Stadtplatz – das Rathaus und das Bürgerhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Innerhalb von drei Jahren kam das vielleicht bereits aus dem 16. Jahrhundert stammende Vašek-Gasthaus hinzu, im Todesjahr Bohumírs im Jahre 1933 wurde eine Kopie der Vogtei aus Velké Karlovice festiggestellt und in der Zeit des Zweiten Weltkriegs erbaute die Gruppe der Zimmerleute Meisters Michal Fabián eine Holzkirche: dabei nahmen sie ihren Ausgang von der Plandokumentation der Kiche aus Větřkovice bei Příbor, die im Jahre 1887 ausgebrannt war.

So endete die erste Aufbauetappe des Walachischen Freilichtmuseums. Ihre Würdigung wollen wir dem Schöpfer des Museums Bohumír Jaroněk überlassen, der zielbewusst ein sog. lebendiges Museum anstrebte: „Das Museum muss lebendig und wahrhaft sein. Seine Unterbringung im Park wirkt beengend. Es gitb dort keint Bäche, Wiesen und Felder und Ostbäume. Um wieviel besser würde es auf einer Waldlichtung aussehen!"

Die zweite Etappe realisierte gewissermassen den Wunsch Jaroněks. Bemerken wir, dass wohlweislich die Häuser vom Stadtplatz in Rožnov auf einen eben Platz am Fluss, wenngleich in ein parkähnliches Milieu, übertragen wurden. Gehören sie doch nicht auf eine Waldlichtung. Dort sind die Gehöfte des walachischen Bergdörfchens sinnvoll. In den fünfziger Jahren 20. Jahrhundert entstand das Projekt des Walachischen Dorfes und dann in den sechziger Jahren erfolgte sein Bau, der eine wahrheitsgetreue Rekonstruktion, ein Modell eines walachischen Dorfes, bezweckte. So entstanden auf der Lokalität „auf dem Berghang", oberhalb der Stadt, etwa 40 Objekte, die zeigen was zu einem walachischen Dorf dazugehört.

Noch mühsamer war die Anlegung des dritten Areals, des im Jahre 1983 erschossenen Mühlentals. Man blieb nicht nur bei der interessanten Technologie der Mühlen-, Säge-, Walk- und Hammerwerksarbeiten. Die Bauten bezeugen auch die Eingliederung dieser technischen Objekte in den ländlichen Urbanismus und ebenso die sozialen Bindungen, belegen beim Hammerwerk das Leben der Arbeiter auf dem Lande.

Wichtiges Merkmal für das derzeitige Geschehen im Museum ist das zielbewusste Bemühen, vergessene traditionelle Techniken, das volksnahe Schaffen und das Brauchtum wiederzuleben und das gesellschaftliche Leben, den Handel und die Unterhaltung unserer Vorfahren zu rekonstruieren.



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